aktion: andrew connolly-gilchrist, wolf dieckmann, gorgonngzola, dagmar hund;
fotos: ©heide schollähn
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statt UNIDRAM 2020 das theaterfestival wurde trotz bester vorbereitung & ausgefeiltem hygiene-konzept abgepfiffen. naja. passiert. wir wollen solidarisch handeln. mein ärger stieg erst richtig auf, als ich durch die zwangs-einkaufspassage des potsdamer bahnhofs lief & die üblichen konsumbürger mit kinnmaske ihre klopapiergeschäfte abwickeln sah. diese art von ansteckungsherd soll offenbar weiterhin aufrecht erhalten werden:
arbeiten - konsumieren - klappe halten
herzlichen glückwunsch zur wirtschaftskonformen solidarität!
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wozu?
wozu auf abstand gehen?
freund*innen weniger umarmen?
na z.b. weil es andere menschen vor deinen keimen schützt.
jede*r, der/die/das an realität glaubt, hat das kapiert.
o.k.
du fährst inzwischen auch lieber täglich 35 km fahrrad statt s-bahn zur arbeit,
um den werktätigen genoss*innen der notaufnahme ein paar infizierte zu ersparen.
die haben gerade mehr als genug zu tun.
doch stellt sich jetzt die frage:
wozu arbeiten gehen, wenn du nicht feiern darfst?
wenn kultur als "unterhaltung" verpönt wird?
wenn du weder freunde noch verwandte treffen sollst?
wenn dein rücken nicht mehr mass-agierend geradegebogen werden darf?
wenn du weder theater, kinos noch "tanzlustbarkeiten" besuchen darfst?
um "systemrelevante" veranstaltungen wie "die wirtschaft"
(benennen wir mal:
handelskonzerne,
industrie,
verwaltung,
geldgeschäfte,
immobilienspekulation,
polizei & deren helferbüttel,
militär & andere rechte netzwerke)
zu "retten"?
willst du die eigentlich retten?
lass die neoliberale luftblase doch zerplatzen.
lass die aktienkurse krachen.
pfeif auf arbeit.
geh spazieren.
oder bleib im bett.
zahl keine miete mehr.
lies bücher.
streike.
tanze.
die "systemrelevanz" arbeitet an ihrer vernichtung.
wir werden sie nicht daran hindern.
gründe parallelgesellschaften.
pflanze kartoffeln & bäume.
rede mit nachbarn.
trink tee.
(heiner von vielen,
"das bröckeln der mona lisa",
île de nilreB 2020)
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